Vereinsmeeting
am 03.05.2006
"Automobilcluster Ostdeutschland: Herausforderungen & Chancen
- eine BMW-Sicht"
Peter
Claussen, Leiter des BMW Werks Leipzig, sprach vor den Mitgliedern des
Industrievereins 1828 e.V. über Ziele und Aufgaben eines Automobilclusters
Ostdeutschland.
Beim Automobilcluster
Ostdeutschland handelt es sich zunächst einmal um einen überregionalen,
länderübergreifenden Zusammenschluss, der von den Herstellern
BMW und Porsche in Leipzig, Volkswagen in Mosel, Opel in Eisenach und
DaimlerChrysler in Ludwigsfelde sowie von Zulieferern, Forschungseinrichtungen
und Länderinitiativen, wie der AMZ in Sachsen getragen wird.
Ziel ist die Entwicklung
und Stärkung der ostdeutschen Automobilzulieferindustrie. Die weltweit
zentralistische organisierte Automobilindustrie mit ihrem zentralen
Einkauf stellt die Zulieferer der Region oftmals vor ein Problem, da
die in Ostdeutschland ansässigen Fahrzeugbauer weder selbst über
ihre Lieferanten entscheiden, noch sie innerhalb einer Serienproduktion
wechseln. Die Fahrzeugwerke in Ostdeutschland gelten sozusagen als verlängerte
Werkbänke. Die Fahrzeugbauer produzieren das, was zuvor in einer
Phase von bis zu sechs Jahren an einer zentralen Stelle entwickelt wurde.
Um dennoch Fuß
zu fassen, sollten regionale Automobilzulieferer deshalb zumindest die
wichtigsten Spielregeln kennen: Wo befinden sich die Fahrzeugprojekte?
Wo wird entwickelt? Wo muss ich mich in der Lieferantenhierarchie einordnen?
Wie, wann und mit wem muss ich reden?
Ziele des Automobilclusters
Ostdeutschland sind deshalb unter anderem, Wissen und know how zu vermitteln
sowie Strukturen zu finden und aufzubauen, so dass die Firmen der Region
in die Lage versetzt werden, einen wichtigen Part zu übernehmen.
Zudem herrscht in
Ostdeutschland eine ganz besondere Situation vor: In der Region verfügen
nur wenige Unternehmen über die Kompetenz, ein gesamtes Modul,
z.B. ein Cockpit mit allen Elementen, zu liefern. Diese Unternehmen
ohne Modulkompetenz können nicht direkt an den OEM (Original Equipment
Manufacturer) liefern, sondern sollten zunächst den firt tier (Modullieferant)
herausfinden, um diesen beliefern zu können.
In der Region gibt
es 20 first tier, die hier tätig sind, jedoch alle im Sinne der
verlängerten Werkbank. Es gibt weniger als zehn mittelständische
Unternehmen, die hier ihre Wurzeln/Zentrale haben und hier die Entscheidungen
- auch über Zulieferer - treffen. Da letztendlich diese die Garanten
für eine erfolgreiche Entwicklung der Region sind, muss es ein
Ziel sein, dass sich hier mehr solche Firmen entwickeln.
Entwicklungs- und
Entscheidungskompetenz in der Region aufzubauen ist selbstverständlich
ein Prozess, der mehrere Jahre dauert. Wissenschaftler aus Harvard haben
sich diesem Thema angenommen und weltweit Erfolgsrezepte untersucht,
die dazu beitragen, eine Region zu entwickeln. Dabei wurde immer wieder
deutlich, dass die Clusterbildung die wirtschaftliche Entwicklung einer
Region fördert.
Cluster, welche
informelle Zusammenschlüsse von Unternehmen, Verwaltung, Forschungseinrichtungen
sind, die eine gleiche Interessenlage haben, wirken auf zwei Ebenen:
einerseits fördern sie den persönlichen Kontakt aller Beteiligten
(informeller Bereich), andererseits geben sie eine formale und institutionelle
Unterstützung.
In der Automobilindustrie
gibt es weltweit nur 13 große zentralistisch organisierte Hersteller
und 60 First tier, an die man herankommen muss. Regionale Cluster sind
dafür jedoch nicht so gut geeignet. Es geht eher darum, eine international
wahrnehmbare Plattform zu etablieren.
Mit dem Automobilcluster
Ostdeutschland soll versucht werden, mit der Zulieferermesse Z eine
solche Plattform zu entwickeln. Es müssen die Kräfte der Unternehmen,
Forschungseinrichtungen, Dienstleister und Verbände gebündelt
werden, um die Wertschöpfung zu erhöhen. Da kleinere Unternehmen
sich wesentlich schneller an Markterfordernisse anpassen können,
besteht die Zukunftsvision darin, virtuelle Unternehmen aus mehreren
kleinen Unternehmen zu kreieren, die ihre Kompetenzen zusammenführen
und so Modulkompetenz aufbauen.
Mit dem Automobilcluster
Ostdeutschland wird der Versuch gestartet, ein Netzwerk zu etablieren,
in dem Firmen intensiver zusammenkommen, in dem Informationen über
Branchenspielregeln, Branchentrends etc. verfügbar gemacht werden,
und sich so eine katalytische Wirkung für die regionalen Cluster
entfalten.
Dieser Text ist
eine Zusammenfassung des Vortrages von Herrn Claussen am 03.05.2006
vor den Mitgliedern desIndustrievereins Sachsen 1828 e.V.
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